Smart-Teleskope in der Praxis. Bewertungen, Erfahrungsberichte und Vergleiche für Seestar, DWARFLAB, Celestron und Co.

Smart-Teleskope im Praxistest. Bewertungen, Erfahrungsberichte und Vergleiche für Seestar, DWARFLAB, Celestron und Co. Im Rahmen eines Projektes teste ich verschiede Smart-Teleskope und versuche die Leistung der Geräte einzuordnen. Schritt für Schritt entsteht hier ein Bewertungs- bzw. Test-Portal. Die Idee dabei ist nicht, pretty pictures zu posten, das können die Smart-Teleksope ohnehin, sondern auf technische Features aufmerksam zu machen, die aus meiner Sicht den Unterschied machen...





Einstieg in die Welt der Smart-Teleskope



Teil von NGC 7000 im Dwarf Mini

Teil von NGC 7000, the bright rim, im Dwarf Mini (noch unbearbeitet)

Für den Einstieg in die Welt der Smart-Teleskope empfiehlt sich vor allem ein Gerät, das einfach zu bedienen ist und schnell zu ersten Erfolgserlebnissen führt. Die gute Nachricht, dass können im Grunde genommen alle Geräte, ob DWARF, Seestar, Celestron usw.. Eine automatische Ausrichtung, eine intuitive App und eine unkomplizierte Aufnahme der Himmelsobjekte nehmen Einsteigern viele technische Hürden ab. Für den fortgeschrittenen Anwender lassen sich mit den heruntergeladenen FITS eine Menge spannender Sachen anstellten, die über Astrofotografie hinausgehen.

Kurze Einordnung: Worin unterscheiden sich das Seestar S30 Pro und das Seestar S50 Pro?



NGC 6960 im S30 Pro, vor und nach der Gradientenverarbeitung

NGC 6960 (Sturmvogel) im S30 Pro vor - und nach der Gradientenverarbeitung

Kurze Einordnung: Worin unterscheidet sich das S30 Pro und das S50 Pro? Neben dem Preis erzeugt das S30 Pro nativ ein größeres Bildfeld. Das S50 Pro würde ich anhand der veröffentlichten Daten (August 2026) als das leistungsstärkere System für die Deep-Sky-Fotografie einordnen, vor allem aufgrund seiner größeren Öffnung, des damit verbundenen höheren Lichtsammelvermögens und der feineren Abtastung von 2,30″/Pixel gegenüber 3,74″/Pixel beim S30 Pro. Damit bietet es grundsätzlich bessere Voraussetzungen für eine feinere Detailwiedergabe, wobei diese natürlich auch von Faktoren wie Optik, Nachführung und den Aufnahmebedingungen abhängt. Hinzu kommt beim S50 Pro, wie bereits beim S30 Pro, ein duales Kamerasystem. Das S30 Pro ist IMO der unkompliziertere, weitwinkligere Allrounder, besitzt also nativ ein größeres Bildfeld. Wenn es um einen möglichst niedrigschwelligen Einstieg geht und man vergleicht -nur- die beiden Seestar Modelle, spricht einiges für das S30 Pro; wer von Anfang an möglichst viel Detail aus kleineren und lichtschwächeren Deep-Sky-Objekten herausholen möchte, ist mit dem S50 Pro wohl besser bedient.

Seestar S50 vs. S30 Pro am Beispiel NGC 4565

Hier ein interessanter Vergleich: Vor einiger Zeit nahm ich NGC 4565 mit dem Seestar S50 auf, etwas später mit dem S30 Pro.



NGC 4565 im Seestar S50 und S30 Pro

Das S50 sollte ein gewissen Vorteil haben, nicht nur wegen der 250 mm Brennweite, sondern auch wegen der 50-mm-Öffnung gegenüber 30 mm. Wie können wir hier die Abbildungsfähigkeit beider Geräte einordnen?

NGC 4565 im Seestar S50 und S30 Pro

Das S50 besitzt mit 50 mm gegenüber den 30 mm des S30 Pro eine 2,78-mal größere Öffnungsfläche. Es kann, bei einer punktförmigen Lichtquelle, etwa einem Stern, bei gleicher Belichtungszeit grundsätzlich 2,78-mal mehr Photonen sammeln. Bei einem ausgedehnten Objekt wie NGC 4565 lässt sich dieser Aspekt jedoch nicht direkt auf das Signal pro Pixel übertragen, denn das S50 besitzt mit 250 mm gegenüber 160 mm auch die längere Brennweite. Dadurch wird das Objekt ca. 1,56-mal größer abgebildet; eine gleich große Himmelsfläche verteilt sich somit auf etwa 1,56^2=2,44-mal so viele Pixel.

Aus dem Verhältnis von Öffnung und Brennweite ergibt sich für ausgedehnte Objekte ein Signalvorteil des S50 pro Pixel von etwa (5,3/5,0)^2=1,12, also rund 12 %. Das S50 liefert bei einem ausgedehnten Objekt daher pro Pixel nur etwa 12 % mehr Licht. Die größere Öffnung des S50 führt zwar zu etwas mehr gesammeltem Licht, der Vorteil wird bei ausgedehnten Objekten durch die längere Brennweite und damit die größere Abbildung des Objekts weitgehend ausgeglichen. Für das Signal pro Pixel ist daher nicht die Öffnung allein entscheidend, sondern das Zusammenspiel von Öffnung, Brennweite und Pixelgröße.

Liefert das Seestar S30 Pro eine bessere Abbildung als das DWARF Mini?



IC 1396 im Dwarf Mini mit integrierten Dual-Band-Filter.

IC 1396 im Dwarf Mini, mit Siril nachbearbeitet, 1 Stunden im Alt-Az Mode betrieben mit dem integrierten Dual-Band-Filter.

Liefert das Seestar S30 Pro eine bessere Abbildung als das DWARF Mini? Generell würde ich das so nicht sagen. Die optischen Daten liegen dicht beieinander. Das Seestar S30 Pro verwendet den Sony IMX585, das DWARF Mini den Sony IMX662; beide Sensoren besitzen eine Pixelgröße von 2,9 µm. Dadurch ist auch die Detailauflösung pro Pixel (Sampling) mit 3,74″/Pixel bzw. 3,99″/Pixel nahezu identisch. Der wesentliche Unterschied liegt in der Sensorgröße: Das Seestar S30 Pro verfügt über 3840 × 2160 Pixel, das DWARF Mini dagegen über 1920 × 1080 Pixel. Dadurch erfasst das Seestar S30 Pro einen deutlich größeren Himmelsausschnitt und eignet sich besonders für ausgedehnte Nebel. Das DWARF Mini zeigt aufgrund seines kleineren Sensors einen entsprechend kleineren Bildausschnitt.